#4: Passives Spiel

Das “passive Spiel” ist wohl eine der schwierigsten Regeln, die es in unserem Handballsport gibt. Vor allem für die Schiedsrichter ist es sehr schwer während eines Spieles bei beiden Mannschaften, zu jeder Zeit des Spieles, die gleichen Maßstäbe anzusetzen. Schwierig wird es natürlich auch, da sich diese Regel aus dem subjektiven Eindruck der beiden Schiedsrichter ergibt. Mit den Regeländerungen zum 01.08.2005 wurde vom Hessischen Handballverband noch einmal zusammengefasst, in welchen Situationen das Warnzeichen für “passives Spiel” (IHF - Handzeichen Nr. 18) gezeigt werden sollte. Diese Anweisungen sehen wie folgt aus:

  • Wenn eine Mannschaft ohne Druck auf das gegnerische Tor spielt, wird das Warnzeichen gegeben
  • Nach dem Anzeigen des Passivwarnzeichens hat die betroffene Mannschaft ca. 5 lange Sekunden Zeit, um eine Temposteigerung zu erzielen bzw. eine erkennbare Angriffshandlung zu beginnen. Erst danach, also mehr oder weniger lange NACH diesen 5 Sekunden, kann auf Passiv entschieden werden
  • Wird nach einem Torerfolg der Ball trotz Aufforderung durch den Schiedsrichter nur sehr zögernd zum Mittelpunkt gebracht, wird der Schiedsrichter mit dem Anpfiff das Warnzeichen “Passiv” anzeigen.
  • Wird mit der Gewissheit, dass Schiedsrichter korrigieren, wenn Spieler z.B. in Unterzahl bewusst einen falschen Ausführungsort wählen

Im Regelheft finden sich aber noch weitere Beispiele, bei denen auf “passives Spiel” entschieden werden kann, sogar ohne vorher das Passivwarnzeichen angezeigt zu haben.

  • bewusstes Auslassen einer Torgelegenheit (Entscheidung auf passives Spiel auch ohne Warnzeichen)
  • Warnzeichen bei langsamen Spielerwechsel bzw. Spielfeldüberbrückung
  • Warnzeichen bei verspätetem Spielerwechsel in der Aufbauphase eines Angriffs

Es gilt aber immer die Maxime, dass eine Mannschaft in der ersten Spielminute genauso viel Zeit von den Schiedsrichter für ihr Spielaufbau bekommen sollten, wie in der letzten Minute.

Doch es gibt ebenfalls Situationen bei denen das “passive Spiel” wieder aufgehoben wird.

Das Passivwarnzeichen wird wieder aufgehoben wenn die abwehrende Mannschaft eine progressive Bestrafung erhält (Gelbe Karte, 2-Minuten, Rote Karte, Ausschluss) oder die angreifende Mannschaft den Ball gegen den Pfosten, die Latte oder den Torhüter wirft und danach wieder in Ballbesitz gelangt. Dann beginnt ein neuer Angriff.

Besonders aufmerksam sollten die Schiedsrichter sein, wenn die angreifende Mannschaft während ihres Angriffes ein Team-Team-Out beantragt. Oftmals wird dies in einer Phase gemacht, die nahe vor dem “passiven Spiel” ist. Nach dem Team-Time-Out beginnt aber kein neuer Angriff, d.h. dass die Schiedsrichter nun bald das Passivwarnzeichen anzeigen sollten. Es wird also so getan, als wäre die Zeit nicht unterbrochen worden.

Ich hoffe ich konnte mit dieser Regelecke dazu beitragen, dass die Regel “passives Spiel” ein wenig verständlicher geworden ist und dass bei dieser Regel verständnisvoll mit den Schiedsrichter umgegangen wird.

 

Wenn Sie eine neue Frage haben, dann bitte eine EMail an: info@hsg-dreieich.de